Orientierungen der Arbeit

Der Bildungsauftrag der Kita

Der eigenständige Bildungsauftrag der Kita orientiert sich an den Vorgaben, die sich neben der grundlegenden Kenntnis der kindlichen Entwicklung und Bedarfe aus den gesetzlichen Rahmenbedingungen und den Grundsätzen zur Bildungsförderung in Kindertageseinrichtungen ergeben.

Die eigentlichen Handlungsträger ihrer je eigenen Bildungsentwicklung sind die Kinder – sie schreiben ihre Bildungsgeschichte als aktive Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung, in einem kreativen Prozess, der sich aus dem Wechselspiel der unmittelbaren Wahrnehmung, der neugierig forschenden Erkundung der eigenen Lebenswelt und dem Einfluss der Umgebung auf das Kind ergibt.

Für die Kindertageseinrichtungen bedeutet dies die Herausforderung, den Alltag so zu gestalten, dass Bildungsgelegenheiten in einer Weise entstehen, dass die individuellen Bildungs- und Entwicklungsprozesse der Kinder hier ansetzen können. Die Förderung des Wissens und der Kompetenzen der Kinder wird dabei ergänzt durch die Entwicklung von Einstellungen und Bereitschaften, die prägend werden für ein reiches und eigenständiges Leben, das die individuellen Geschichten in Freiheit mit den sozialen Rahmenbedingungen verbindet.

In der Orientierung an den Bildungsgrundsätzen werden drei Kompetenzbereiche erkennbar, denen sich schwerpunktmäßig drei Gruppen von je drei Bildungsbereichen zuordnen lassen: Selbstkompetenz, Sozialkompetenz, Sachkompetenz. Medien als grundlegende Instrumente der Kommunikation und der Welterschließung bilden einen zehnten Bildungsbereich, der sich als Querschnittsthema in allen anderen Bereichen konkretisiert.

Die drei Kompetenzbereiche überlagern und ergänzen einander, doch ist es hilfreich, eine Struktur in den Bildungsbereichen zu rekonstruieren, die deren Beziehungen untereinander erkennen lässt – auch wenn sich in der Praxis des Alltags naturgemäß alle Kompetenzen auch in allen Bildungsbereichen zeigen und entwickeln können.

Das gilt umgekehrt auch für die zehn Bildungsbereiche selbst – es bestehen im gelebten Leben der Kinder (und auch der Erwachsenen) vielfältige Überlappungen und wechselseitige Verstärkungen – für das Nachdenken über die eigene Arbeit ist es aber auch hier hilfreich, eine grundlegende Strukturierung zu versuchen, die sich aber nie als abschließende Liste verstehen kann.

Wichtig ist dabei auch, dass die Bildungsgeschichten der Kinder sich nicht ungerichtet oder ziellos entwickeln – bewusst in den Blick genommen wird vor allem die Ausrichtung auf die Befähigung zur gesellschaftlichen Teilhabe, die es allen möglich macht, sich an der Ausgestaltung der Gesellschaft aktiv zu beteiligen, als Kind, als Erwachsener, als Einzelner, in Gruppen.

Entsprechend sind auch die Kompetenzbereiche und Bildungsbereiche von den Erzieherinnen so zu erschließen, dass die Partizipation der Kinder als altersgerechte Beteiligung an allen sie betreffenden Entscheidungen eine gelebte Wirklichkeit ist.

Frühkindliche Bildung und Entwicklung lässt sich dabei nicht reduzieren auf eine Vorbereitung für eine andere, eigentliche Bildungs- und Lerngeschichte – sie ist nicht vorschulische Bildung, die deren Vorbereitung dient. Dieses eigene Geschehen der frühen Kindheit muss sich daher auch erklärend und interpretierend auf die Familien und auf das anschließende Bildungssystem öffnen.

Unser Bild vom Kind

In unserer pädagogischen Arbeit steht das Kind unbedingt im Mittelpunkt. Wir sehen es in seiner Einzigartigkeit, mit seinen Bedürfnissen, seiner Neugier, seinen Gefühlen, seinen Stärken und Schwächen, seinen Rechten und allem Anderen, was seine Persönlichkeit ausmacht.

Jedes Kind hat ein individuelles Entwicklungstempo und auch Möglichkeiten. Wir unterstützen und motivieren das Kind durch Zuwendung und Anerkennung. Dabei ist es uns wichtig, dass das Kind sich frei entwickeln kann und zu einer selbstständigen und selbstbewussten Person heranreift. Die Kinder werden von uns Erzieherinnen respektiert und liebevoll betreut.

Durch die Geborgenheit und Sicherheit in der Einrichtung lernen sie, sich auf Neues einzulassen. Sie erleben, dass ihre Gefühle ernst genommen werden und lernen einen respektvollen Umgang miteinander. Jedes Kind braucht Freiräume, aber auch notwendige und sinnvolle Grenzen, denn diese geben ihm Sicherheit und Orientierung.

Entwicklung unterstützen – Familie ergänzen

Das Kinderbildungsgesetz formuliert als grundlegenden Auftrag die Sorge um den Anspruch eines jeden Kindes auf Bildung und Förderung seiner Persönlichkeit. Diesem Anspruch des Kindes auf Bildung entspricht die die Aufgabe der Eltern, ihre Verantwortung für die Erziehung des Kindes wahrzunehmen. Der erste und bleibend wichtige Ort für das Lernen und die Entwicklung ist die Familie, in der Verantwortung der Eltern für ihr Kind. Wenn die Bildungsgeschichte des Kindes von diesem selbst geschrieben wird, so kommt es der Familie und ergänzend der Kita zu, Erziehung so zu verstehen und so zu gestalten, dass sie dann gelingt, wenn sie die Bildungsprozesse des Kindes anregt und begleitet.

Erziehung als Anregung zur Fortschreibung der Bildungsgeschichte wird da gelingen, wo die Bildungsumwelt in Menschen, Räumen und Strukturen die kulturelle Vielfalt als aufregenden und anregenden Reichtum erschließt, wo sich das Verstehen der Erwachsenen auf die konsequente und reflektierende Beobachtung, Deutung und Unterstützung der Kinder ausrichtet und die Zumutung wichtiger Themenbereiche durch die Erwachsenen begründen und umsetzen lässt.

Die Kita unterstützt hierbei die Familie, ergänzt diesen ersten Lern- und Lebensort der Kinder, der sich immer da bildet, wo mindestens zwei Generationen sich sozial, emotional und auch wirtschaftlich verbindlich aneinander gebunden haben. Auch wenn die Formen des Familienlebens sehr vielgestaltig sind, so verbindet doch alle im Kern diese Grundaufgabe, als Keimzelle der Gesellschaft verbindliche Beziehungen über die eigenen Interessen hinaus zu gestalten.

An die grundlegenden Bindungen in der Familie knüpfen die Erzieherinnen in ihrer pädagogischen Arbeit durch Beziehungsangebote an. Sie gestalten in der Phase des Übergangs von der Familie in die Kita für die Familie und für die Kinder ihre Arbeit so, dass Betreuung, Bildung und Erziehung gute Wurzeln in den neuen Beziehungen schlagen können, die sich in der Erziehungspartnerschaft und der alltäglichen Begegnung mit Erwachsenen und Kindern entwickeln.

Für die Katholischen Tageseinrichtungen für Kinder haben die fünf Bistümer in NRW ein gemeinsames Statut als vertragliche Rahmenbedingung formuliert, das einige Anforderungen aus den gesetzlichen Grundlagen in den trägerspezifischen Alltag hinein konkretisiert. Als Zielvorgabe für den Trägerwird dort formuliert:

„Träger von katholischen Kindertageseinrichtungen im Geltungsbereich erfüllen im Zusammenwirken mit ihrem pädagogischen Personal den eigenständigen Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag der Einrichtungen auf der Grundlage des katholischen Glaubens. Den Erziehungsberechtigten, die dieses Ziel anstreben oder akzeptieren, bieten sie Hilfe bei der Entfaltung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes und der Entwicklung seiner Persönlichkeit zu einem vom christlichen Geiste erfüllten und seiner Verantwortung in Kirche und Gesellschaft bewussten Menschen. In Fragen der Bildung und Erziehung erhalten die Erziehungsberechtigen Beratung und Information.“

Neben dieser inhaltlichen Ausrichtung der Kita-Arbeit werden auch Grundlagen der Erziehungspartnerschaft, der Trägerverantwortung und der Wahrung der Kinderrechte formuliert. Damit entwirft das Statut trägerspezifische Merkmale einer Umsetzung des öffentlichen Auftrags, der sich vor der UN-Charta der Menschenrechte, der UN-Charta der Kinderrechte, dem Grundgesetz der BRD, den Regelungen des Sozialgesetzbuches VIII, dem Bundeskinderschutzgesetz und der landeseigenen Regelungen in Kinderbildungsgesetz und entsprechenden Richtlinien des Landesjugendamtes Westfalen-Lippe, aber auch der konkreten Vereinbarungen des Trägers mit dem zuständigen Jugendamt ergibt.